
Dieses Essay ist im Rahmen einer schriftlichen Deutschprüfung entstanden. Zur Verfügung stand ein Interviewausschnitt und das Ziel war es, eine Diskussionsfrage zu formulieren und diese anschliessend mit eigenen Beispielen und Beispielen aus dem Interview zu besprechen. Die ursprüngliche Note meines Essays war eine fünf. Für diesen Blog jedoch habe ich den Essay überarbeitet, in dem ich die Korrekturen und die Verbesserungsvorschläge meiner Lehrperson in den Text integriert habe. Ich habe auch selbst neue Teile hinzugefügt und andere Teile gestrichen. So ist die zweite Version meines Essays entstanden.
Roland Reichenbach nimmt in einem Interview, das im Magazin am 24.10.2025 erschienen ist, zu verschiedenen Fragen aus den Bereichen der Schule, Bildung und Erziehung Stellung. In diesem Interview wird insbesondere die Digitalisierung der Schule thematisiert. Es werden die Probleme angesprochen, welche aufgrund der Digitalisierung auftauchen. Reichenbach meint dazu, dass nicht die Medien an sich das Problem darstellen, sondern viel mehr die Zeit, die man dadurch verschwendet, ohne den Menschen zu stärken (Zeile 29). Dabei ist die Annahme wichtig, dass die Digitalisierung die Schule schon längst erreicht hat (Zeile 18). Genau da stelle ich mir die Frage, wie ich diese Digitalisierung wahrgenommen habe. Die Digitalisierung bringt viele Vorteile, weil sie intellektuell nicht anspruchsvolle Fleissarbeit beschleunigt, was mehr Zeit für intellektuell fordernde Arbeit lässt. Ich habe im Verlauf meiner schulischen Karriere die Digitalisierung erlebt; nämlich mit der Erscheinung der schulischen iPads. Ich werde in diesem Essay auf Argumente eingehen, welche in dem Interview genannt werden, und diese mit Gegenargumenten kontern, welche auf eigenen Erfahrungen basieren.
Von der ersten bis in der Mitte sechsten Klasse hatten die Schülerinnen und Schüler keine iPads. Wir hatten aber bereits den Zugang zu Computern, um Dokumente auszudrucken. Der grösste Teil der Unterlagen war aber auf Papier. Unsere Hefte zum Schreiben, unsere Theoriebücher, unsere Aufgabenstellungen, alles auf Papier. Doch dies änderte sich ab der Mitte der sechsten Klasse mit der Einführung von persönlichen iPads. Alle Schüler und Schülerinnen bekamen ihr eigenes und damit verschwanden die in den Pulten entstandenen Papierberge und es öffnete sich eine neue Dimension. Eine neue Art zu Lernen. Mit Programmen wie Duolingo versuchte man Sprachen zu lernen und mit weiteren Programmen ersetzte man die Schulbücher.
Meine persönliche Erfahrung zeigt dementsprechend, dass die Digitalisierung die Schule längst erreicht hat und dass das im Interview erwähnte Sleeper-Argument (Zeile 12-14) nicht mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen ist. Das Sleeper-Argument soll nämlich zeigen, dass sich die Schule nicht verändert hat und dass ein Mensch, der vor zweithundert Jahren eingeschlafen ist und heute aufwacht, orientierungslos ist, bis er eine Schule finden würde. Obwohl diese Vorstellung lustig klingen mag, ist sie meiner Ansicht nach unzutreffend. Denn wie Reichenbach meint: «Die Digitalisierung hat die Schule längst erreicht» (Zeile 18).
Diese Feststellung bringt uns weiter. Denn es stellt sich nun die Frage, ob diese Digitalisierung überhaupt gut ist. In dieser Hinsicht sehe ich die Situation anders als Reichenbach. Denn während er die Digitalisierung als Neomanie (übersteigerte Neigung des Neuen) bezeichnet und dies als Problem sieht, sehe ich die Digitalisierung als Chance. Als eine Chance, welche mit Gefahren gekoppelt ist. Reichenbach will die Digitalisierung zwar nicht rückgängig machen, doch er will, dass die Schule sich von ihrer Dominanz löst.
Die Digitalisierung hat gemäss meiner Erfahrung verschiedene Vor- und Nachteile. Das Gute ist, dass man im Idealfall nur die Vorteile brauchen und die Nachteile weglassen kann. So zeigt sich mit meiner Erfahrung, welches mögliche Vor- und Nachteile sind.
Der Beginn dieses iPad-Versuches war für mich keine gute Erfahrung. Ich konnte beobachten, wie die Aufmerksamkeit der Schüler sank und auch die Autorität der Lehrperson abnahm. Dieser Effekt war derartig ausgeprägt, dass meine Klasse im Verlauf des Jahres zwölf Lehrpersonenwechsel erlebte. Mehrere aus Depression, andere weil sie keine Lust mehr hatten, eine solche Klasse zu unterrichten – insgesamt waren es zwölf, dass muss man sich vorstellen!
Anders ist es am Gymnasium. Im Gymnasium Kirchenfeld ist es so, dass die digitalen Geräte konstruktiv zum Unterrichtablauf beitragen. Das Internet kann als wichtige Quelle für Informationen oder sogar Abbildungen dienen und die verschiedenen Notizprogramme unterstützen bei dem Erstellen des Unterrichtmitschriebs. So habe ich bisher nur positive Erfahrung mit den Notizen gemacht und sehe den Übergang der schriftlichen zu den digitalen Notizen als Vorteil. Nicht nur weil sich der Umfang des Unterrichts besser aufarbeiten lässt, sondern auch weil seither die Bearbeitung der Notizen stark vereinfacht wurde.
Ich stehe der Aussage, dass die Medien zu einer Zeitverschwendung führen, ohne den Menschen zu stärken, kritisch gegenüber. Meine Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass die Digitalisierung zu viel Chaos führen kann, was bestimmt ein Nachteil ist, aber die Digitalisierung ist auch ein hilfreiches Werkzeug. Ein Werkzeug welches die Schüler beim Lernen unterstützen kann. Denn ich habe verschiedene Szenarien erlebt, in denen ich die Vor- und Nachteile der Digitalisierung beobachten konnte. Diese Erfahrungen haben gezeigt, dass die Vorteile der Digitalisierung gross sind, wenn sich die Nachteile wegstreichen lassen. Natürlich ist dabei klar, dass die Nachteile nicht immer weggestrichen werden können und dass es schwierig ist konsequent zu sein. Doch mit genug Eigendisziplin lässt sich das Beste aus der Digitalisierung holen.
Wie bereits erwähnt, ist der Grossteil dieses Textes während einer Probe entstanden. Anschliessend wurde er von mir vergessen, da ich ihn erst zwei Monate später überarbeitet habe. Ich habe diesen Zeitabstand nämlich genutzt, um den Text möglichst zu vergessen. Dadurch konnte ich ihn später so wahrnehmen, wie meine Leser* und Leserinnen es tun. Denn weil ich mich nicht mehr an den Inhalt erinnerte, musste ich aufmerksam lesen und konnte keine Bereiche überfliegen und dadurch „Kanten” überlesen. Im Text befinden sich viele solcher Kanten, also abrupte Übergänge, unpräzise Formulierungen und weitere Stolperstellen, die den Lesefluss stören. Ich habe den Text deshalb mehrmals durchgelesen, um diese Kanten zu finden. Das sind die Stellen, an denen ich gestolpert bin und an denen meine Leser bestimmt auch stolpern werden. Nach der Einarbeitung der Verbesserungsvorschläge habe ich diese Kanten geschliffen. Ob ich selbst über alle Kanten gestolpert bin oder ob ich sie alle gefunden habe, weiß ich nicht. Die Kanten, die meinen Lesefluss beeinträchtigt haben, habe ich jedoch möglichst stark geschliffen. Da es sich um einen Essay handelt, der bereits von meiner Lehrperson korrigiert (u.a. durch Verbesserungsvorschläge) wurde, habe ich keine Hilfsmittel zur Formulierung oder Lesekorrektur verwendet.
Reichenbach, R. (2025, 24. Oktober). Interview zu Schule, Bildung und Erziehung. Das Magazin.